Ärzte & AIDS


Ärzte und AIDS – Ein Arbeitskreis

von Dr. med. Leo Locher, Frankfurt am Main

„AIDS ist eine gut behandelbare, aber schwierige Infektionskrankheit", bekräftigen ärztliche Spezialisten, die sich eingehend mit der Erkrankung auseinandersetzen. Einige von ihnen bilden den Arbeitskreis „Ärzte und AIDS", der sich besonders mit der Versorgungssituation von AIDS-Patienten in Hessen auseinandersetzt. Der Arbeitskreis trifft sich 4 mal im Jahr in den Räumlichkeiten der KV Hessen in Frankfurt und tauscht sich aus über neue Therapie- und Vernetzungsmöglichkeiten sowie Kooperationen mit anderen Ärzten, die ebenfalls HIV Infizierte oder an AIDS Erkrankte behandeln. Der Arbeitskreis „Ärzte und AIDS" ist sich aber einig: Die Versorgung von HIV-Infizierten und AIDS-Patienten ist in Hessen nicht optimal.

Die Situation und Behandlung von HIV-Infizierten und AIDS-Kranken hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Das führt auch zu durchgreifenden Veränderungen im Umgang mit dieser Patientengruppe in den Praxen, die sich nicht auf die Behandlung von HIV-Infizierten und AIDS-Patienten spezialisiert haben.

Eine deutliche Veränderung ist die Tatsache, dass in erster Linie nicht mehr ausschließlich die herkömmlichen Risikogruppen betroffen sind. Hier muss umgedacht werden: Neu-Infektionen von Heterosexuellen kommen mittlerweile häufiger vor als Neuinfektionen bei schwulen Männern. Außerdem kommen in die hausärztlichen Praxen auch häufig infizierte oder erkrankte Patienten aus den sog. Hochprävalenzländern (Afrikanischer Kontinent, Osteuropa). Schwierigkeiten bereitet diese Entwicklung vor allem deshalb, weil bei den eher unklaren und allgemeinen Symptomen im frühen Stadium einer AIDS-Erkrankung viel zu selten ein HIV-Test in Betracht gezogen wird, wenn der Patient nicht männlich und homosexuell ist. Tests werden oft viel zu spät gemacht oder gar nicht in Erwägung gezogen. So kommt es immer wieder vor, dass Patienten mit unklaren Symptomen eher zufällig in eine Schwerpunktpraxis für die Betreuung von HIV-Infizierten und an AIDS Erkrankten, auftauchen. Der behandelnde Arzt in einer solchen Schwerpunktpraxis muss nach einem positiven Testbefund dann vielfach feststellen, dass der Patient schon längst behandlungsbedürftig ist, bislang aber nichts unternommen wurde, da die Erkrankung nicht bekannt war.

Hausärzte und hausärztlich tätigen Internisten sollten unbedingt bei der Behandlung ihrer Patienten auch einen HIV-Test in Erwägung ziehen, wenn der Patient immer wieder mit wässrigen Durchfällen, Candida-Infektionen oder anderen eher „unscheinbaren" Erkrankungen in die Praxis kommt (Details zu HIV-typischen Symptomen und Krankheiten finden Sie in dem Fachartikel „Die Versorgung von Patienten mit HIV und AIDS in Hessen – Situation, Probleme und Perspektiven", auf S. ___ in dieser Ausgabe des Hessischen Ärzteblatts). „Ein unterlassener HIV-Test ist unter Umständen unterlassene Hilfeleistung", machen die Ärzte des Arbeitskreises „Ärzte und AIDS" deutlich.

Deutlich verbesserte Behandlungsmöglichkeiten für HIV-Infizierte und AIDS-Patienten stellen eine weitere spürbare Veränderung dar. Der Fortschritt führt jedoch gleichzeitig auch zu einer höheren Komplexität des Krankheitsbildes und der Therapie. Mögliche Folgeerkrankungen, Neben- und Wechselwirkungen, die bislang keine Rolle spielten, gilt es nun zu beachten. Derjenige, der sich nicht gezielt mit dem Thema beschäftigt, kann den Überblick nicht behalten: Es gibt mittlerweile 17 verschiedene Medikamente zur Behandlung der Infektion. Viele Neben- und Wechselwirkungen sind bei der Auswahl der Medikation zu beachten. Fettstoffwechsel- und Hormonstörungen zählen neben anderen gravierenden Folgeerscheinungen dazu. Der Arzt, der AIDS-Patienten behandelt sollte sich regelmäßig fort- und weiterbilden, da in diesem Bereich weitere weitreichende Veränderungen anstehen. Andernfalls kann eine sichere Therapie der Patienten nicht gewährleistet werden. Sollte dies dem behandelnden Arzt nicht möglich sein, sollte er unbedingt den Patienten in eine Schwerpunkt-Praxis schicken, wenn er an die Grenzen seiner Fähigkeiten stößt.

Der Arbeitskreis berichtet außerdem darüber, dass die Schwerpunktpraxen Schwierigkeiten haben, Mitbehandler für AIDS-Patienten zu finden. Obwohl Ärzte eigentlich über das Krankheitsbild aufgeklärt sind, lässt sich beobachten, dass viele Arztpraxen die Mit-Behandlung scheuen. Warum, darüber lässt sich nur spekulieren. Feststeht, dass für die Mit-Behandlung von AIDS-Patienten vor allem Dermatologen, Neurologen sowie Gynäkologen fehlen.

Weitere Kooperationspartner für Schwerpunktpraxen sind die AIDS-Hilfe, Städtische Beratungsstellen sowie Selbsthilfegruppen. Die AIDS-Hilfe kümmert sich vor allem um sozialrechtliche Fragen, führt aber auch Beratungen durch und hilft bei der Suche nach spezialisierten Pflegediensten.

Diejenigen Ärzte, die sich dafür entschieden haben, AIDS-Patienten zur versorgen, haben eine schwere Aufgabe übernommen: Die ärztliche Versorgung von HIV-Infizierten und AIDS-Patienten ist sehr aufwendig. Hier besteht mehr als sonst die Notwendigkeit der gründlichen Untersuchung des Patienten, wenn er vorstellig wird, damit scheinbar harmlose Symptome rechtzeitig erkannt und frühzeitig behandelt werden können. Auch eine angemessene psychische Betreuung der Patienten ist zu gewähren ebenso wie Sterbebegleitung. Der Patient sucht Wege, um mit der Krankheit leben zu können, hierbei benötigt er auch die Hilfe seines behandelnden Arztes. Überdies sind Gespräche über den Tod eine schwierige Aufgaben für den Arzt, die nicht zwischen Tür und Angel erledigt werden kann.

Wann sollte ein HIV-Test durchgeführt werden und wer bezahlt ihn eigentlich? Ein Test sollte auf jeden Fall immer erst nach Absprache mit dem Patienten vorgenommen werden. Wer den Test ohne das Einverständnis des Patienten durchführt, macht sich strafbar. Wenn ein Patient auffällig häufig an „kleinen" Infektionen erkrankt oder geschwollene Lymphknoten hat, ist ein HIV-Test indiziert (Details finden Sie in dem Fachartikel „Die Versorgung von Patienten mit HIV und AIDS in Hessen – Situation, Probleme und Perspektiven", auf S. ___ in dieser Ausgabe des Hessischen Ärzteblatts). Die Gesetzliche Krankenversicherung bezahlt den Test nur dann, wenn ein begründeter Verdacht vorliegt. Immer wieder kommen auch Patienten in die hausärztliche Praxis, die einen HIV Test machen lassen wollen, weil sie eine neue Partnerschaft eingehen wollen. Der Arbeitskreis „Ärzte und AIDS" betont, dass dies das hohe Verantwortungsbewusstsein des Patienten zeigt und in jedem Fall zu unterstützen ist. Eine bessere Prävention ist eigentlich nicht denkbar!

Fazit: Eine frühe Diagnose führt zu einer verbesserten Therapie, diese zieht zwangsläufig weniger Ansteckungsmöglichkeiten und eine verbesserte Prävention nach sich. Deshalb sollte auch der Hausarzt bei scheinbar unscheinbaren Krankheitsbildern die Möglichkeit einer HIV-Infektion nicht außer Acht lassen.

Hinweis:

Den Verfasser erreichen Sie über die Homepage der
Praxis Gute, Locher, Lutz.


Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.

Letzte Änderung am Samstag, 26. Januar 2013 um 18:10:30 Uhr.

(C) 2013 für alle Seiten dieser Website bei H. Pfister & H. Hoffmann, Frankfurt am Main. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung!